Modelabel finanzieren

Kapitalbedarf für Dein Modelabelabel- woher Du das Geld bekommst

Es gibt einige Fragen, die werden uns bei DIVID viel häufiger gestellt, als andere. Dazu zählen unweigerlich die Fragen wie viel Kapital man für die Gründung eines eigenen Labels eigentlich braucht und woher man das Kapital bekommt. Eine gute Frage! Mit diesem Artikel bringen wir Licht ins Dunkel.

So finanzierst Du Dein Modelabel

 

Zunächst zu Deinem Kapitalbedarf bei der Gründung

Dazu müssen wir unterscheiden: Wenn Du an Händler verkaufen willst, ist Dein Kapitalbedarf zur Gründung vermutlich höher, als wenn Du planst, an den Endverbraucher zu verkaufen. Das hat den Grund, dass man zum Einen mehr Musterkollektionen braucht, da man diese zum Beispiel auf Messen präsentieren oder für Handelsvertreter o.ä. bereit stellen muss. Außerdem entstehen zusätzliche Kosten für Reisen, Messestände, usw.. Es im Normalfall länger dauern, bis Du die Profitabilität erreichst, das heißt, die Einnahmen die Ausgaben decken und noch etwas übrig bleibt. Dafür wirst Du, wenn Du es richtig machst, auch in einer kürzeren Zeit mehr Geld verdienen können.

Nach unserer bisherigen Erfahrungen gehen wir davon aus, dass man für die ersten drei Jahre mit 500.000-750.000 € kalkulieren sollte, je nachdem, ob Du Accessoires oder Bekleidung benötigst. Bei Bekleidung musst Du verschiedene Größen produzieren lassen, deshalb benötigst Du für Accessoires wahrscheinlich weniger Kapital.

Wenn Du hingegen an den Endverbraucher verkaufst, werden Deine Anlaufkosten wahrscheinlich deutlich geringer sein. Hier ist es davon abhängig, ob Du einen eigenen Laden, Showroom oder Onlineshop eröffnen willst oder beispielsweise über Ebay und oder Amazon verkaufst. Bitte unterschätz die Kosten für einen Onlineshop nicht, es ist nicht mal eben programmieren, Ware einpflegen, beschreiben, …
In einem späteren Artikel werden wir darauf eingehen, warum sich der Vertrieb an den Handel trotzdem lohnen kann, wenn Du Dein Modelabel gründest.

Jetzt zu Deinen möglichen Finanzierungsquellen

Wenn Du Dich nach dem kleinen Schock von oben nach dem durchschnittlichen Kapitalbedarf wieder erholt hast ;-), können wir uns damit beschäftigen, woher wir das Geld eigentlich bekommen.

Es ist völlig normal, dass Dich diese Zahl erst einmal erschreckt. Viele Modedesigner machen den Fehler und gründen mit viel zu wenig Kapital und sparen damit auch Professionalität ein, weil Sie dann zum Beispiel keine professionellen Verkaufsunterlagen haben oder der Onlineshop nicht funktioniert. Daher – lieber jetzt ein Schock und dafür in den nächsten Jahren alles richtig gemacht.

Eigenkapital bzw. Kapital von der Familie

Wenn Du selbst einen größeren Geldbetrag zur Verfügung hast, kannst Du diesen natürlich nutzen. Vorteil und Nachteil dabei zugleich ist, dass Du nur Dir Rechenschaft ablegen musst. Bei jedem Fremden, der Ergebnisse sehen will, hast Du auf jeden Fall schon einmal etwas Antrieb von außen. Das kann motivieren, aber manchmal auch ganz schön unter Druck setzen.

Du kannst Dich natürlich umhören, ob Dir jemand in der näheren Verwandschaft das benötigte Kapital zur Verfügung stellen kann. Vorteil und Nachteil zugleich ist hierbei, dass Du wahrscheinlich privaten Kontakt zu der Person hast. Vorteilhaft ist dabei, dass Du mit ihm, wenn es schlecht läuft, Aufschub oder Alternativen für die Rückzahlung aushandeln kannst. Der Nachteil ist, dass wenn es richtig schlecht für Dich läuft, sich das mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf Eure Beziehung auswirkt. Mit einem Familienmitglied als Kapitalgeber gewinnst Du einen Geldgeber, der sich in den allermeisten Fällen anhand seiner persönlichen Erfahrung (egal, wie fachlich relevant sie ist) in das Unternehmensgeschehnis mehr oder minder einmischt.

Crowdinvesting

Über eine Plattform kann jeder Geld in Dein angebotenes und bestenfalls gut beworbenes Projekt investieren. Die vielleicht bekanntesten Plattformen dafür sind Companisto und Seedmatch.

Diese Finanzierungsform bietet vielleicht die größten Irrtümer. Fakt ist: Nicht mal die Hälfte aller Kampagnen werden erfolgreich finanziert. Für eine erfolgreiche Crowdinvesting Kampagne braucht man mehrere Monate Vorlauf und eine hohe Reichweite beziehungsweise loyale Community. Das heißt eine Fangemeinschaft, die sehr aktiv und interessiert ist. Andernfalls wird man zu einer hohen Wahrscheinlichkeit die Kampagne nicht erfolgreich abschließen können.

Wenn Du die Voraussetzungen erfüllst, schau doch mal crowfunding, hier findest Du eine umfangreiche Auflistung möglicher Plattformen.

Bootstrapping

Eine weit verbreitete Finanzierungsmöglichkeit unter Tech Startups, die aus kleinem Eigenkapital heraus wachsen und nur die erwirtschafteten Gelder reinvestieren. Wenn Du ein Modelabel gründest, kommt das wahrscheinlich als Finanzierungsmöglichkeit nicht in Frage, weil man für die Musterung der Produkte wahrscheinlich mehr Kapital braucht, als es dem durchschnittlichen Modegründer zur Verfügung steht.

Hochschulprogramme bzw. Exist

Schon einige erfolgreiche internetbasierte Startups sind aus dem Exist-Programm hervor gegangen. Exist richtet sich an Studierende und Hochschulabsolventen. Falls das bei Dir zutrifft, kannst Du hier die Details nachlesen.

Manche Hochschulen, wie die HHL in Leipzig bieten auch eigene Gründerprogramme wie das Spin Lab an.


Gründungszuschuss

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, bei seiner Gründung Zuschüsse vom Staat oder der EU zu erhalten. Um zu erfahren, welches eine passende Möglichkeit für Dich sein kann, empfehlen wir Dir die örtliche Wirtschaftsförderung aufzusuchen. Diese kann Dir meistens dazu helfen. Hier kannst Du Dir einen ersten Überblick verschaffen: www.existenzgruender.de

Gewinne aus Gründungswettbewerben

Gründungswettbewerbe gibt es inzwischen in fast jeder größeren Stadt. Dabei kann man, wenn man zu den Siegern gehört, eine kleinere bis mittlere Geldsumme gewinnen. Beispiele für Gründungswettbewerbe sind NUK oder start2grow.

Diese Möglichkeit kannst Du in Betracht ziehen, wenn der für den Sieg beziehungsweise die Teilnahme zu erbringende Aufwand sich für den Gewinn lohnt.

Bankkredit, z.B. mit der KfW.

Ob Du die Chance auf einen Bankkredit hast, hängt stark von Deinem Wohnort und Deiner Hausbank ab. Ich hörte von Banken und Orten, in denen Unternehmen mit der Branche „Textil“ beziehungsweise mit der Branche „Textil“ und dem Hinweis „Existenzgründung“ schon vor Prüfung des Antrags abgelehnt werden. Gegenbeispiele kenne ich aber auch. Ich glaube, dass man gerade in kleineren Gegenden die Möglichkeit hat, einen Kredit zu bekommen, weil diese Gegenden Wirtschaft brauchen.

Für einen Kreditantrag solltest Du einen klassischen Businessplan und die Antworten auf mögliche Fragen vorbereiten. Wenn Du selber betriebswirtschaftlich nicht begabt bist, solltest Du Dir auf jeden Fall Unterstützung von einem Betriebswirten oder ähnliches besorgen, der Dich fit macht. Sprich doch mal mit Deiner Hausbank, ob ein Kreditantrag Sinn macht.

Modelabel finanzieren Kredite

Business Angel, kurz BA

Ein Business Angel zählt auch zu den Möglichkeiten der Eigenkapitalgeber. Ein Business Angel ist gerade in einer frühen Phase der Finanzierung ein attraktiver Partner. Meistens sind BAs Menschen, denen es Spaß macht, Wissen an junge Unternehmer weiter zu geben und Projekte wachsen zu sehen. Sie investieren ihr privates Kapital und mischen sich ins Geschäftsgeschehen ein. Wie stark, das ist von BA zu BA unterschiedlich. Der Weg zu einem Angel kann zum Beispiel über den BAND führen: Hier findest Du dazu weitere Infos. Außerdem solltest Du ausgewählte Veranstaltungen besuchen. Prüf vorher genau, welche Referenzen der Veranstalter angibt, damit Du weißt, ob relevante Business Angel vor Ort sind. Bitte nimm nicht jeden, den Du kriegen kannst, auch hier gibt es Angel, die nicht so hilfreich sind. Wenn Du ein überzeugendes Konzept hast, werden weitere Interessenten kommen. Durchhalten!

 

Accelerator- bzw. Inkubatorenprogramme

Der Begriff „Inkubator“ kommt aus der Forschung und beschreibt einen Brutkasten. Ähnlich kann man sich ein Inkubatoren- bzw. Acceleratorenprogramm für Startups vorstellen. Dabei wird das junge Unternehmen mit lebensnotwendiger Infrastruktur wie zum Beispiel Wlan, Knowhow von in- und externen Experten sowie zumeist auch Kapital ausgestattet. Dadurch wird das Wachstum stark beschleunigt. Nicht wenigen Startups gelingt durch den professionellen Start eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung durch BAs oder VCs.

Während der Accelerator externe Gründungsteams mithilfe eines Bewerbungsverfahrens aufnimmt, handelt es sich bei dem Inkubator um ein firmeninternes Entwicklungsprogramm. In der Textilindustrie sind uns bisher keine Beispiele bekannt. Das soll für Dich aber kein Hindernis sein, es gibt nämlich bereits einige spannende Startup Projekte von deutschen Bekleidungsunternehmen. Otto hat mit Aboutyou einen Onlineshop hochgezogen, an Liebeskind hat sich 2010 S.Oliver beteiligt.

 

Venture Capital Geber, kurz VC

Venture Capital ist in unserer Liste das Kapital, das sich am schwersten einsammeln lässt, wie man so schön sagt. Das liegt daran, dass die meisten VCs erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Unternehmen schon die ersten Entwicklungsschritte gemacht hat, einsteigen. Man sagt, je früher man einsteigt, desto höher ist das Risiko. VC kommt meistens nicht von einer Privatperson, sondern aus einem Fond (Sammelstelle für Gelder verschiedener Quellen) oder von Unternehmen. Es zählt so den risikoreichsten Geldanlagemöglichkeiten, insbesondere zu so einer frühen Unternehmensphase – der Gründung – da man den Erfolg eines Unternehmens nur sehr schwer abschätzen kann. Deshalb investieren gerade in Deutschland immer mehr VCs in spätere Phasen. VC Geber erwarten eine hohe Rendite, das heißt, dass sich das Geld, was sie ins Unternehmen geben, nach der vereinbarten Zeit deutlich vermehrt hat. Sozusagen als Ausgleich für das hohe Risiko.

VCs trifft man am besten auf Veranstaltungen wie der NOAH. Meine Empfehlung dabei: Einmal hingehen, sich alles anschauen, so viele wie mögliche Informationen und Eindrücke aufsaugen und beim nächsten Mal mit einer ausgearbeiteten Idee, die Du in 3 Sätzen pitchen kannst, und Deinem benötigten Kapital den persönlichen Kontakt zu vorher recherchierten VCs suchen. Spannend könnte als Veranstaltung gegebenenfalls auch bits & prezels sein. Ein VC interessiert im Gegenteil zur Bank eher ein Pitchdeck und ein Zahlenwerk. VCs investieren häufiger in Tech Startups, deshab macht ein VC vielleicht mehr Sinn, wenn ein Hauptbestandteil Deines Geschäfts ein Onlineshop ist.

 

Business Partner, bzw. strategischer Partner

Die letzte Möglichkeit, die wir Dir vorschlagen können, sind sogenannte Business Partner. Das sind strategische Investoren, die meistens über ein hohes Knowhow in Deinem Fachbereich verfügen. Das kann Textil sein, muss es aber nicht. Es könnte zum Beispiel auch E-Commerce, Onlinemarketing oder Logistik sein. Die Business Partner können entweder Privatpersonen, also zum Beispiel ehemalige Unternehmer, aber auch Unternehmen sein. Durch das Knowhow kannst Du Dein Unternehmen schneller professionalisieren. Dein möglicher Partner denkt hoffentlich fortschrittlich und Du würdigst hoffentlich auf seine Erfahrung. Wenn ihr Euch respektvoll auf Augenhöhe begegnet und offen für die Wünsche und Erfahrungen des anderen seid, kann diese Partnerschaft sehr erfolgsversprechend sein. Du findest einen Business Partner meistens über Veranstaltungen oder persönliche Empfehlungen.

 

Das wichtigste bei der Kapitalsuche ist, dass Du circa 6 Monate einplanst, am Anfang kann das auch schon mal länger dauern. Wichtig ist, dass Du Dich gut vorbereitest, die Zahlen aufbereitest und überzeugende Argumente lieferst, warum Deine Idee spannend ist und wie Du das eingesammelte Kapital zurück erwirtschaften kannst.

 

Verrätst Du uns, welche Finanzierungsquelle Du genutzt hast?

Photo by Fabian Blank & Andrew Worley on Unsplash

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