Produzenten für Kleidung finden

Die 4-Schritte-Anleitung: So findest Du den richtigen Produzenten für deine Mode

Du hast Deine ersten Produkte entworfen, aber keine Ahnung, wo Du sie umsetzen lassen könntest? oder Du hast bereits ein Modelabel gegründet, aber bist völlig unzufrieden mit der Zusammenarbeit? In diesem Artikel erfährst Du, wie Du generell Produzenten findest, davon den passenden für Dein Unternehmen auswählst und worauf es bei der Zusammenarbeit ankommt.


Schritt 1: Die Vorbereitung – Deine fertigen Designs & Vorstellungen

 

Glückwunsch, Du hast es also geschafft: Du hattest nicht nur die Idee zu einem eigenen Label, sondern Du hast auch die ersten Styles entworfen.
Jetzt möchtest Du die Styles realisieren, das heißt, einen passenden Produzenten finden. Bevor Du Dich auf die Suche machst, solltest Du folgendes vorbereiten:

Falls noch nicht passiert, setz Deine Styles in so genannten technical sheets um. Das ist eine produktionsfertige Darstellung, auf dem eine technische Zeichnung des Produkts mit allen Bemaßungen angegeben ist. Außerdem findet der Produzent dort alle relevanten Informationen zu Größen, Farben, Mustern und Qualitäten.
Da das technical sheet später die rechtliche Grundlage für Deine Qualitätssicherung und eventuelle Retouren an den Produzenten wird, sorge dafür, dass Du es so gewissenhaft wie möglich erstellst.

Du möchtest die Erstellung der technical sheets lieber einem Profi überlassen? Dann beauftrage einen passenden Dienstleister oder fertige eine Ausschreibung für Hochschulen an. Zum Beispiel die textile Fakultät der Hochschule Niederrhein eignet sich dafür sehr gut, da die Ausbildung für diese Zwecke einen guten Ruf geniesst.
Bevor Du jemanden beauftragst, solltest Du Dir Gedanken zu den Größen, Farben und Mustern des Produkts machen. Bei den Größen solltest Du die Anforderungen des Vertriebs nicht außer Acht lassen. Meinen Artikel dazu findest Du hier.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Deine Vorbereitung ist eine Kategorisierung nach Produktgruppen: Möchtest Du T-Shirts fertigen lassen, Lederjacken, oder eine ganze Kollektion? Sollen die Produkte gestrickt oder gewebt sein? Für welches Material entscheidest Du Dich?

Welche Qualitäten sollen Deine Designs haben? Strebst Du eine Hochpreisstrategie an und die Qualität soll dementsprechend auch sehr hochwertig sein? Für einen geringeren Preis empfehlen wir Dir auch, höchste Anforderungen an die Produktion herunter zu schrauben.

Wenn Du also weißt, welche Produktgruppen Du aus welchem Material in welcher Qualität fertigen lassen willst, und Dir fertige Styles vorliegen, ist es wichtig, dass Du Dir noch Gedanken dazu machst, welche Mengen Du produzieren lassen willst und was die Produktion maximal kosten darf.

Für die gesamte Vorbereitung solltest Du 6-12 Monate beim ersten Mal kalkulieren.


Schritt 2: Die Produzentensuche – Diese Möglichkeiten gibt es

In der Branche sind bestimmte Regionen für bestimmte Fertigungsarten besonders bekannt, da sich dort meist mehrere Produzenten mit einem hohen Knowhow tummeln.

Wenn Du bisher keine Branchenerfahrungen sammeln konntest, sind diese Informationen nur schwer zugänglich und ich will Dir helfen, Licht ins Dunkle zu bringen. Ich habe zum Beispiel gute Erfahrungen mit Osteuropa für Damenoberbekleidung gemacht, dort waren die Produktionsergebnisse meistens von hoher Qualität. Aber auch Südeuropa und Nordafrika sind für Textilproduktionen bekannt.

Einen guten Überblick kannst Du Dir auf der Lieferanten- und Produzentenmesse Premiere Vision verschaffen. Für die Messe musst Du Dich als Fachbesucher akkreditieren. Dazu musst Du ein passendes Gewerbe bereits angemeldet haben.

Diese findet halbjährlich in Paris statt. Es gibt verschiedene Areas, die nach Kategorien unterteilt sind: Neben Leder, Garn und Produzenten findest Du auch eine Area für alle Zutaten, wie Reißverschlüsse, Knöpfe usw.

Hier sind Fremdsprachenkenntnisse unerlässlich, da die Produzenten von überall her kommen. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass man mit englisch nicht unbedingt bei allen Produzenten weiterkommt ;-). So sprechen manche Nordafrikaner beispielsweise nur französisch. Solltest Du keine Fremdsprache beherrschen, empfehle ich Dir in jedem Fall, jemanden mitzunehmen.

Am besten, Du erarbeitest Dir im Vorfeld Deines Trips eine Marschroute für die Messe, sonst kannst Du leicht den Überblick verlieren und die Zeit vergessen. Wie Du Dich optimal auf eine Messe vorbereitest, behandele ich noch in einem gesonderten Artikel.

Auf der Messe kannst Du Kontakte knüpfen und verschiedene Produzenten und Lieferanten ansprechen, Qualitäten begutachten und Dir über ihre Voraussetzungen und Ihre Produktion berichten lassen. Hier zählt professionelles Auftreten und eine eigene Visitenkarte ist zum Kontaktaustausch unerlässlich.

Alternativ zur Premiere Vision gibt es die munich fabric start in München und verschiedene Fachmessen zu bestimmten Themen, z.B. die Anteprima in Mailand.

Außerdem kannst Du über Linkedin ein Gesuch veröffentlichen, indem Du z.B. „Lieferanten für Lederjacken gesucht“ postest. Das kannst Du auch direkt über bestimmte Linkedin- oder Xing-Gruppen veröffentlichen. Linkedin hat den Vorteil, dass die Plattform auch internationalen Produzenten zur Verfügung steht und eine deutsche Produktion seltener in Frage kommt.

Fabrik und Produzent für Mode finden

 

Schritt 3: Die Auswahl – so triffst Du die Entscheidung für den passenden Partner

Nachdem Du verschiedene Produzenten zu Deinen Wünschen zusammen getragen hast, solltest Du eine Vorauswahl anhand der folgenden Punkte treffen:

Kommunikation: Bestehen Sprachbarrieren, oder klappt alles reibungslos? Versteht der Firmenvertreter, was Deine Anforderungen sind und reflektiert dies durch seine Vorschläge und Kommentare?

Gesellschaftlicher Hintergrund: Leider ist es manchmal so, dass manche Produzenten einen männlichen Ansprechpartner wollen. Diese solltest Du als Frau dann besser aussortieren.

Mindestmengen: Wahrscheinlich das wichtigste Auswahlkriterium. Viele Produzenten verlangen 300 Stück pro Größe und Farbe. Wenn das für Dich nicht passt, empfehle ich Dir, nach kleinen Familienunternehmen zu suchen. Und damit komme ich zum nächsten Punkt:

Größe der Produktion: Ähnlich wie bei einer Vertriebsagentur gilt: Je kleiner die Produktion, desto wichtiger bist Du auch als anfangs kleiner Kunde. Wenn Du Dir eine große Produktion suchst, kann es vorkommen, dass Dein Auftrag teilweise geschoben wird u.ä.. Des Weiteren ist es schön, wenn man zusammen partnerschaftlich wachsen kann.

Produktionsbedingungen: Das sollte für Dich nicht erst seit kurzem relevant sein. Werden die Mitarbeiter gut behandelt? Inwieweit kannst Du einschätzen, ob sich die Firma umweltfreundlich verhält? Eine Möglichkeit sind renommierte Zertifikate, wie z.B. GOTS. Wenn Du einen zertifizierten Betrieb suchst, solltest Du Dir vorher die Zertifikate anschauen, denn wie im Supermarkt heißt „bio“ noch lange nicht „bio“ ;-). Generell gilt: Je besser Du die Situation vor Ort durchblicken kannst, desto besser.

Preise: Welche Preise ruft der Produzent auf? Bitte vergiss niemals, dass die Produzenten in den seltensten Fällen feste Preise nennen. Fast immer kannst und solltest Du verhandeln.

Vakanz: Hat der Lieferant in Deinem gewünschten Zeitraum genügend freie Lieferkapazitäten? Plane unbedingt einen zeitlichen Puffer ein, da eine Verzögerung gerade am Anfang bei kleinen Unternehmen leider nicht selten vorkommt.

 

Sind für Dich noch andere Kriterien wichtig? Dann schreib es gerne in die Kommentare und lass die anderen Leser von Deinem Wissen profitieren.

Wenn Du anhand der Kriterien eine Vorauswahl getroffen hast, kannst Du persönliche Treffen mit den Produzenten vereinbaren. Ja, man sollte sich die Produktionen am besten vor Ort anschauen. Deshalb empfehle ich Dir, die Produzenten in erreichbarer Nähe zu suchen. Der Preis in Europa/Nordafrika ist meist etwas höher, als in Fernost, dafür sind die Mindestmengen meistens geringer und die kulturellen Unterschiede geringer.


Schritt 4: Die Zusammenarbeit – so klappt es mit dem Produzenten reibungslos

Wenn Dich mit einem Produzenten geeinigt hast, solltest Du mit der Produktion Deine Styles besprechen. Bereite Dich gut auf das Gespräch vor und erkläre dem Produzenten, was besonders wichtig ist und was auf keinen Fall geht.

Du solltest ein partnerschaftliches Verhältnis mit dem Produzenten anstreben. Lass Dir eine Auftragsbestätigung mit allen relevanten Eckdaten der Produktion mailen. Sobald es in die Produktion geht, solltest Du Zeit für eventuelle Rückfragen einplanen und am Anfang regelmässig nachhaken.

Lass Dir vor Deinem gewünschten Produktionszeitraum Muster von Deinen Styles schicken und überprüfe ihre Qualität genauestens. Eine kritische Qualitätssicherung in diesem Schritt erspart Dir einige unangenehme Überraschungen bei der Auslieferung.

Sind noch Fragen offen? Dann hinterlass mir gerne einen Kommentar oder schreib uns eine Email.

credit: PEXELS/ Fancycrave

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